Moin!Möwe

Olaf Pokorny

Schon während meiner Schulzeit entdeckte ich die Faszination für die damals noch analoge Fotografie. Nach der Schule begann ich deshalb hoch motiviert eine Ausbildung zum Fotografen in einem Hildesheimer Porträtstudio. Die Hauptaufgabe der Azubis bestand jedoch lediglich darin, Sofort-Passbilder auf Polaroid aufzunehmen, Studio-Porträts und Nachbestellungen an Kunden herauszugeben sowie Bilderrahmen zu verkaufen. Nur wenn die Studioleitung gerade mal nicht im Haus war, durfte jemand den ausgebildeten Fotografinnen bei Porträtaufnahmen assistieren. Selbst die fotografischen Aufgaben für die Berufsschule mussten fast ausnahmslos in der Freizeit erledigt werden, ohne relevante fachliche Hilfestellung durch erfahrene Fotografen. Entsprechend frustriert habe ich nach etwa einem Jahr die Konsequenzen gezogen, die Ausbildung abgebrochen und mich dem Studium der Lebensmittelchemie gewidmet.

Kakaopulver
Porzellan­mörser mit Pistill und Kakao­pulver

Nach zehn Jahren Studium und Promotion hat es mich für weitere zehn Jahre nach Süddeutschland verschlagen. Zunächst noch in meinem studierten Beruf arbeitend, gewann meine kreative Seite allmählich doch wieder die Oberhand. 2010 habe ich die Fotografie als zweites Standbein aufgebaut. Mit Fotos für ein Buch über Hovawart-Hunde fing alles an und über die Fotografie für Bildagenturen bin ich langsam aber sicher zur Unternehmensfotografie gekommen.

Hovawart: Hündin und Rüde (blond)
Hovawart: Hündin und Rüde (blond)

Durch einen Jobwechsel meiner Frau sind wir 2015 nach Lübeck umgezogen und es hat nicht lange gedauert, bis mich diese Stadt in ihren Bann gezogen hat. Besonders die alten Gänge und Höfe, die im Mittelalter aus Platzmangel innerhalb der Stadtmauern angelegt oder zu wohltätigen Zwecken errichtet wurden, begeistern mich immer wieder aufs Neue. In meinem Blog Backsteingeschichten schreibe ich seit 2017 über die Geschichte dieser kleinen Weltkulturerbe-Oasen in den Hinterhöfen der alten Kaufmanns- und Handwerkerhäuser. Auch wenn wir inzwischen durch einen weiteren Jobwechsel wieder in Süddeutschland gelandet sind, bleibe ich meiner alten Heimat, der „Königin der Hanse“ eng verbunden.

Holstentor
Inschrift am Lübecker Holstentor

Und was ist nun das Besondere an der Hanse? „Hanse“ bedeutet soviel wie „Gruppe“ oder „Gefolgschaft“. Die Kaufleute der Hanse hatten erkannt, dass durch gemeinsames Handeln auch der gemeinsame Erfolg wuchs und jeder Einzelne davon enorm profitierte. Risiken und Gewinne zu teilen sowie gemeinsame wirtschaftliche, politische und kulturelle Interessen zu vertreten, waren das Geheimnis dieses Erfolges. Der Begriff des „ehrbaren Kaufmanns“, der noch heute im IHK-Gesetz zu finden ist, geht schon auf die Anfänge der Hansezeit im 12. Jahrhundert zurück. In seinem Verhalten stützt sich der ehrbare Kaufmann auf Tugenden wie Vertrauen, Toleranz, Nachhaltigkeit und Friedensliebe bis hin zur Kulturförderung. Er handelt zwar mit dem Ziel des langfristigen wirtschaftlichen Erfolges, jedoch ohne dabei den Interessen der Gesellschaft entgegenzustehen, sondern den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten. „CONCORDIA DOMI FORIS PAX“ – die Inschrift am Lübecker Holstentor bringt es auf den Punkt: „Eintracht im Innern, Frieden nach außen“. Diese Gedanken sind auch zu meinem Leit­motiv geworden und zur Basis meiner Arbeit.